Der Medienpädagoge Jan Rathje steht Eltern Rede und Antwort

von Daniela Klein

Eltern fragen, der Experte gibt Antworten und Tipps - Richtiger Umgang mit neuen Medien im Grundschulalter

Fragen über Fragen dominierten den Eltern-Informationsabend zum Umgang mit neuen Medien für Eltern von Grundschülern dieser Tage in der Aula der Karl-Weigand-Schule Florstadt: Brauchen Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter bereits Medien? Wie können die Eltern als gutes Vorbild erscheinen? Oder: Welche Spiele darf mein Kind spielen und wie lange täglich?

Als Referenten konnte der Förderkreis der Karl-Weigand-Schule (KWS) mit Jan Rathje einen selbständigen Medienpädagogen und Kommunikations-Designer verpflichten, der Vorträge und Workshops zu den „neuen Medien" ausgearbeitet hat. Und weil die KWS sich seit längerem der Aufklärung zu den Themen „Hatespeech" und „Cybermobbing" widmet, kam sie in den Genuss der Unterstützung von „BUNTerLEBEN".

Rathje, der bereits an vielen Schulen, Polizeipräsidien, Akademien, in Netzwerken, Kirchendekanaten oder Bildungswerken tätig war, bietet auch Kreativ-Workshops für Fotocomics oder Stop-Motion-Filme an, und wird in einer kleinen Serie in diesem Schuljahr noch öfter in Florstadt und an der KWS aktiv sein.

Er gab interessante Tipps und betonte ausdrücklich, dass das richtige Maß im Umgang mit dem Smartphone und gleichzeitig das Erlernen von sozialen Kontakten im Kindesalter wichtig sind. Eltern dürfen selbst nicht komplett aufs Handy fixiert sein, sonst leben die Kinder das nach.

Beim Konsum von Spielen können die Altersempfehlungen der unabhängigen Selbstkontrolle (USK) als Empfehlung dienen. Trotzdem müssen Eltern selbst entscheiden, ob das eigene Kind die Eindrücke der dargestellten Szenen gut verarbeiten kann oder nicht. Besser noch sind die PEGI-Hinweise, die Aufschluss über Schimpfwörter, Glücksspiel, Gewalt oder gar Sex- und Nacktszenen geben. Rathje: „Falsche Spiele oder zu langes Spielen können auf die Kids wirken wie ein zu hoher Zuckerkonsum."

Eltern sollten mitspielen. So erfahren sie, welche Spiele gerade „in" sind und warum. Die Kinder wollen beim Spielen Erfolgserlebnisse und Bestätigung, wollen mitreden und Ahnung haben und nicht von gestern sein. Das müssen aber keine „Ballerspiele"  sein. Das geht auch mit Schnitzeljagd- oder „Karaokespielen" – wenn man die Kinder gewinnen lässt. Zum Thema Spielzeit rät Rathje, dass die Kinder dadurch nichts anderes vernachlässigen sollen. Und Achtung: Kinder haben beim „Zocken" eine ganz andere Zeitwahrnehmung als Erwachsene.

Breiten Raum nahm auch die Teilnahme an Chats wie WhatsApp oder Snapchat ein. Grundsätzlich kein Problem für Rathje, wenn voreingestellt ist, wer Bilder oder Videos sehen darf, man nicht alles von sich preisgibt und kein eigenes Profilbild veröffentlicht wird. Dafür müssen die Kids sensibilisiert werden. Die Eltern geben ihren Kindern einen Vertrauensvorschuss, wenn sie ihnen die Nutzung der verschiedenen Apps und Chats erlauben, haben aber die Aufsichtspflicht und tragen die Verantwortung für deren Inhalte.

Auch die Themen Urheberrechtsverletzung beim Download von Filmen, der Schutz vor Gewalt und Pornographie, oder die Angst vor Kettenbriefen wurden besprochen und die Mysterien um „Momo", eine Horrorfigur aus einer japanischen Ausstellung, ausgeräumt.

Rathje gab Tipps für sichere Browser im Internet und warnte vor Lockangeboten der Industrie für „junge Menschen". Probleme mit dem Ausspionieren durch Puppen wie „Cayla" oder „Hello Barbie", mit Smartwatches, Siri oder Alexa sprach er ebenso an wie Internetseiten, die Kindern und Eltern weiterhelfen können: internet-abc.de, klicksafe.de oder mimikama.at.

Der GPS-Überwachung von Kindern erteilte Rathje eine klare Absage. „Seien Sie kreativ mit dem Smartphone", riet er den anwesenden Eltern und erzählte von kleinen Filmchen, die er mit seinen Kindern im Ninja-Kostüm oder mit Star-Wars-Figuren gedreht hat. Auch ein Foto-Comic mit ein bisschen Phantasie für die Geschichte beschäftigt die Kinder sinnvoll. „So kommen die Kids vom Konsumieren zum Produzieren", sagt Rathje. „Und sie lernen: in Filmen wird getrickst; das ist ja gar nicht alles echt, was ich da sehe."

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