„Mensch achte den Menschen" – Besuch der NS-Gedenkstätte Hadamar

von Daniela Klein

„Mensch achte den Menschen" – Die 9. Hauptschulklassen der Karl-Weigand-Schule besuchten die NS-Gedenkstätte Hadamar

30 Schülerinnen und Schüler der Karl-Weigand-Schule besuchten Anfang März die NS-Gedenkstätte Hadamar. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts zum Thema „Nationalsozialismus" und an einem separaten Projekttag zum Thema „NS-Euthanasie" wurde die Fahrt inhaltlich vorbereitet und durch die finanzielle Unterstützung der Stadt Florstadt, des Wetteraukreises und des Landes Hessen ermöglicht.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden Menschen mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung nicht als Teil des „gesunden Volkskörpers" angesehen, sondern als „Minderwertige und Lebensunwerte" herabgewürdigt, zwangssterilisiert und ermordet. Eine von insgesamt sechs Tötungsanstalten der geheimen Krankenmorde („Aktion T4") wurde von den Nationalsozialisten in der Heil- und Pflegeanstalt Hadamar eingerichtet. Bis zur Befreiung durch die US-Armee ermordete man in Hadamar 15.000 Menschen. Im Rahmen der „Aktion T4" wurden die Patienten vergast und ihre Leichen in Krematorien eingeäschert. Nach kirchlichen Protesten und einer steigenden Verunsicherung in der Bevölkerung wurde die „Aktion T4" im August 1941 beendet. In der zweiten dezentralen Mordphase ab August 1942 töteten die Anstaltsärzte und das Pflegepersonal weiter. Man ließ die Patienten verhungern oder ermordete sie durch gezielt falsche Medikation.

Die Schülerinnen und Schüler aus Florstadt hatten in Hadamar die Möglichkeit, sich am historischen Lernort mit diesem Thema zu beschäftigen. In den Seminar- und Ausstellungsräumen lernten sie bei einer Führung Schicksale einzelner Patienten kennen, erfuhren Details über die Planung, Organisation und Durchführung der Krankenmorde und setzten sich in den historischen Kellerräumen (Gaskammer, Sezierraum und Krematorien) mit den Verbrechen der „NS-Euthanasie" auseinander. Auf dem Anstaltsfriedhof gedachten die Schülerinnen und Schüler abschließend der Opfer der Krankenmorde. Neben dem Erinnern an die Opfer und der damit einhergehenden Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ist das Anstoßen eines Lernprozesses ein wichtiges Argument für den Besuch einer Gedenkstätte. Die Inschrift des Mahnmals auf dem Anstaltsfriedhof in Hadamar klingt daher wie eine Aufforderung an uns: „Mensch achte den Menschen".

 

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