Schule und Drogen – immer wieder ein Thema!

von Daniela Klein Anna war wieder da!

Schule und Drogen – immer wieder ein Thema!

Anna war wieder da!

Die inzwischen 31-jährige ehemalige Drogenabhängige, die bereits im letzten April an der Karl-Weigand-Schule in Florstadt zu einer besonderen Form der Drogen- und Suchtprävention zu Gast war, sprach jetzt erneut in den Klassen 7 bis 10 mit den Jugendlichen. Die Schüler hatten den Dokumentarfilm über Annas Lebens- und Leidensgeschichte gesehen. Darauf aufbauend sorgte Anna in Gruppen- und Einzelgesprächen für ein ganz eigenes Vertrauensverhältnis zwischen den Schülerinnen und Schülern und einem Erwachsenen.

Anna verschob dafür nicht nur ihre Donnerstagstermine und blieb einen Tag länger an der Karl-Weigand-Schule, weil am Montag wegen einer defekten Heizung der Unterricht ausfiel. Sie stand auch am Dienstagabend erstmals einem erlesenen Kreis von Eltern Rede und Antwort.

Hier berichtete sie über ihre Kindheit in einer Akademikerfamilie, die von Angst und Gewalt geprägt war. Ihre Mutter begann zu trinken, bei ihr fand Anna keine Unterstützung. Auch sie begann mit zwölf zu kiffen (Cannabiskonsum), mit 13, 14 Jahren waren es Amphetamine wie Speed oder Pep, danach Ritalin (eigentlich ein Medikament für ADHS-Kinder) und später Kokain und Opiate. „Ich nahm die komplette Karriereleiter – nach unten“, sagt Anna heute.

Mit siebzehn zeigte sie ihren Vater an und verließ die Familie. Sie ging nach Stuttgart, lebt heute bei Freiburg. Sie erzählte den Schülern vom Drogenkonsum zur Betäubung, aber auch von der posttraumatischen Belastungsstörung, mit der sie klar kommen musste. Von der Schizophrenie eines guten Freundes, der mit 15 für zwei Jahre in der Psychiatrie verschwand, von der Faszination des Rausches und den aufkommenden Halluzinationen mit Horrorvorstellungen. „Aus Spaß wurde bitterer Ernst“, insistierte Anna eindringlich. Die Schüler reagierten prompt: „Dann ist es uns das nicht wert“. 

Sie machte klar, dass irgendwann der Tag X kommen wird, an dem man „etwas“ angeboten bekommt und sprach eine Empfehlung für die Eltern aus: „Der Gruppenzwang, das ,Dazu-gehören-wollen` setzt die Jugendlichen unter Druck. Die Kommunikation der Eltern mit den Kindern ist jetzt das Wichtigste“.

Sie erläuterte den Eltern auch, woran man Cannabis-Konsum erkennt und wie aufmerksam man sein muss, wenn das Austricksen beginnt. Wenn die Kinder viel früher als nötig zur Schule aufbrechen, kann das ein Indiz für einen Joint vor dem Unterricht sein. Müde Augen, Geheimnistuerei, Fremdeln, Trägheit, Vernachlässigung von Pflichten, schnell ins eigene Zimmer verschwinden – das alles können Anzeichen sein.

Shisha-Rauchen, Partydrogen, Vergewaltigungsdrogen und Selbstverletzung (Ritzen bei  Mädchen) wurden neben Spiel- und Kaufsucht außerdem angesprochen und diskutiert. Anna gab Tipps und Anregungen und dankte schließlich der Schulleitung und dem Förderverein: „Es ist Gold wert, dass ich hier drei Tage vor Ort sein darf. Das lässt Angst und Scham schwinden und die Schüler öffnen sich spätestens am dritten Tag.“ Schon vergangenes Jahr hatte sie Email- und Facebook-Kontakte hinterlassen und wochenlang noch ein Feedback der KWS-Schüler erhalten.

„Ich habe selbst nicht nur professionelle Hilfe in Anspruch genommen, sondern wurde ebenso durch menschliche, vertrauensvolle und fast schon familiäre Kontakte im privaten Bereich unterstützt. Mit meinen Besuchen an den Schulen möchte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben“, schloss Anna ihre Ausführungen. Schulleiterin Burkhard sieht in Annas Besuchen in den Klassen und besonders auch in den Einzelgesprächen einen sehr positiven Effekt und will diese jährlich zur festen Einrichtung machen. Der Kontakt der Schüler und Schülerinnen zu ihr gestalte sich auf einer ganz anderen Ebene, als Eltern und Lehrer das schaffen könnten.

 

Die mitgeschickten Bilder zeigen Anna in der Klasse, im Gespräch mit Frau Burkhard während des Elternabends sowie als Portrait.

Zurück