Treffen mit einem Zeitzeugen

von Zahra Vahedi

Treffen mit einem Zeitzeugen

Am Freitag, dem 10. November, war Herr Andrei Dorobantu zu Gast an der Karl-Weigand-Schule. Die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen erhielten Gelegenheit zu einer nicht alltäglichen Geschichtsstunde, denn mittlerweile gibt es - der Zeit geschuldet - nicht mehr viele Zeitzeugen des Holocaust während des Nationalsozialismus.

Konrektorin Birgit Kirsten, begrüßte Herrn Andrei Dorobantu, der in Begleitung und auf Vermittlung von Herrn Uwe Hartwig, dem Vorsitzenden der „Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.“ die Karl-Weigand-Schule besuchte. In ihrer Eröffnung wies sie darauf hin, dass der 9. November in der deutschen Geschichte vielfältig in Erscheinung tritt: Als Tag der Ausrufung der ersten deutschen Republik 1918, als Reichspogromnacht 1938 und als Tag des Mauerfalls 1989.

Im Verlaufe der folgenden Stunde erzählte Andrei Dorobantu über sein Leben und das seiner Familie in der Zeit des Holocaust. Als Kind eines Juden und einer Christin wurde er 1933 in Oradea (Großwardein) im Norden Siebenbürgens (heute Rumänien) geboren. Er berichtete über das alltägliche friedvolle Zusammenleben der verschiedenen Religionen in seinem Heimatort bis zur Besetzung durch die Nationalsozialisten, über die Einrichtung des Ghettos und wie es für den Großteil der Bevölkerung nicht vorstellbar war, was sie noch erwarten würde. Mit großer Aufmerksamkeit hörten die Jugendlichen zu, wie Herr Dorobantu erzählte, dass sein Vater ihn bei einer Tante seiner christlichen Mutter versteckte und er selbst bei einem Freund, mit falschen Papieren als Cousin getarnt, unterkam, während andere Verwandte erst ins Ghetto gingen und dann nach Auschwitz deportiert wurden.

Im anschließenden Gespräch mit den Jugendlichen betonte er immer wieder, wie wichtig es sei miteinander zu reden und respektvoll miteinander umzugehen. Ein Krieg sei immer etwas Schreckliches, das viel Unglück und Leid über alle bringt. Deshalb sei es für ihn nach dem Krieg wichtig gewesen, nach vorn zu schauen, zu lernen, das Beste aus seinem Leben zu machen und immer im Gespräch mit seinen Mitmenschen zu sein. Dieses Lebensmotto gab er den Jugendlichen mit auf ihren Weg.

 

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