Unsere Studienfahrt nach Buchenwald

von Zahra Vahedi

Unsere Studienfahrt nach Buchenwald

Die vier Abschlussklassen (Jahrgang H9 und R10) der Karl-Weigand-Schule aus Florstadt, besuchten mit ihren Klassen- und Fachlehrern am 22.02.18 die Gedenkstätte Buchenwald.

Gegen 7 Uhr fuhren wir von der Schule aus nach Weimar. Dort machten wir von 10:45 Uhr bis 11:15 Uhr eine Mittagspause. Danach fuhren wir auf den Ettersberg. Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es wurde von 1937 bis 1945 als Arbeitslager für Menschen aus ca. 50 verschiedenen Nationen betrieben. Geschätzte 280.000 Menschen aus allen Ländern Europas waren dort inhaftiert und ca. 56.000 Menschen verloren dort ihr Leben.

Auf dem Weg nach Buchenwald fuhren wir die sogenannte „Blutstraße“ entlang. Bis 1943 kamen die Häftlinge per Lastwagen oder zu Fuß, barfuß oder in Holzschuhen, vom Hof Weimar auf den Ettersberg. Anstelle des unbefestigten Waldwegs errichteten Häftlinge in Zwangsarbeit und unter extremen Druck 1939 eine 5 km lange Betonstraße. In Erinnerung an die Leiden, der vor allem aus jüdischen Häftlingen bestehenden Steinträgerkolonnen, die das Packlager der Straße aus dem ca. 1.000 Meter entfernten Steinbruch herantrugen, wurde diese Straße Blutstraße genannt.

Zur Einführung schauten wir um 12 Uhr einen 30 minütigen Dokumentarfilm über die Geschichte des Konzentrationslagers an, in dem unter anderem ehemalige Häftlinge von ihren Erlebnissen erzählten. Danach teilten wir uns in zwei Gruppen (je eine Hauptschul- und eine Realschulklasse), die von Frau Kirsten, Geschichtslehrerin und Herrn Claus, Klassenlehrer, geführt wurden.

Wir versammelten uns am Lageplan und liefen dann über den „Carachoweg“ zum Eingangsgebäude des Häftlingslagers. Dort hängt eine Uhr, die auf 15:15 Uhr gestellt ist, denn um diese Uhrzeit fand am 11. April 1945 durch die 3. US-Armee die Befreiung der Häftlinge statt.

Anschließend schauten wir uns die Arrestzellen im sogenannten „Bunker“ an. Diese liegen im linken Flügel des Torgebäudes. Die Einweisung war willkürlich, geahndet wurden Verstöße gegen die Lagerordnung. Die Gefangenen hatten keine Möglichkeit zum Liegen oder Sitzen, verbrachten den Arrest in Dunkelheit und wurden zu Tode gequält. Heute sind einige Zellen Gedenkräume, die an die ermordeten Häftlinge erinnern, z.B. den evangelischen Pfarrer Paul Schneider.

Wenn man durch das Lagertor geht, sieht man die von innen lesbare Inschrift „Jedem das Seine“ auf dem Tor. Die auf dem Appellplatz stehenden Häftlinge sollten sie immer sehen können. Die SS interpretierte den Satz zu den Gunsten der „Herrenmenschen“. Wir betraten den Appellplatz. Hier mussten morgens und abends bis zu 20.000 Häftlinge zum Zählappell aufmarschieren. Einige Aufmarschmarkierungen (Travertinsteine) sind noch zu sehen. Wir versuchten uns in die Lage der Häftlinge zu versetzen. Trotz warmer Kleidung froren wir in dem eiskalten Wind.

Auf dem Appellplatz gibt es eine Gedenkplatte. In der Mitte dieser Platte sind nach alphabetischer Reihenfolge die Namen von über 50 Nationen eingraviert. Die Platte ist das ganze Jahr über auf 37 °C beheizt, um an die Körpertemperatur der Buchenwald-Opfer zu erinnern. Sie markiert den Ort, an dem überlebende Häftlinge kurz nach der Befreiung einen hölzernen Obelisken errichtet hatten. Auch Barack Obama stand schon vor dieser Platte. 2009 besuchte er zusammen mit unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel Buchenwald.

Wir sahen uns auch noch nachgebaute Umrisse (mit Kupferschlacke markiert) von damaligen Barracken an, so dass man eine Vorstellung davon bekommen konnte, auf welchem engen Raum die Menschen dort damals leben mussten. Wenn man auf dem Appellplatz steht, kann man den Lagerzaun und die Wachtürme sehen, die das Lager umschlossen. Der Stacheldrahtzaun war mit 380 Volt elektrisch geladen. Außerhalb des Zauns führte ein Postenweg. Vom Appellplatz aus gesehen linker Hand des Torgebäudes am Postenweg gelegen, sahen wir eine Ruine, die uns an ein Gehege erinnerte. Wir erfuhren, dass es dort einen Zoo gab, der zur Belustigung der Offiziersfamilien errichtet worden war. Die Ruine war ein Bärengehege.

Danach sahen wir uns den grausamsten Ort des Konzentrationslagers an, das Krematorium. Was wir dort sahen, verschlug uns die Sprache. Zuerst betraten wir den Sezierraum, in dem den Toten die Goldzähne heraus gebrochen worden waren. Unten ist ein Keller, wo die Leichen durch eine Luke nach unten geschmissen worden sind und mit einem Holzaufzug nach oben zu den Öfen transportiert wurden. Die Brennöfen sind noch in originalem Zustand. Im Keller befindet sich außerdem eine Hinrichtungsstätte, in der ca. 1100 Häftlinge erdrosselt wurden. Diesen konnten wir nicht betreten, da die Treppe aufgrund des Wetters gesperrt war.

In einem Nebengebäude haben wir ein Modell der Genickschussanlage, die ursprünglich in einem Pferdestall installiert war, gesehen. Man erzählte damals den sowjetischen Kriegsgefangenen (über 8000), dass sie medizinisch untersucht und ihre Körpergröße gemessen werden sollte. In der Messlatte war ein Spalt und hintendran ein Kämmerchen, in dem früher jemand gestanden hatte und den Häftlingen in das Genick schoss. Der Boden in der Genickschussanlage ist auch rot, damit die Häftlinge nicht gleich das Blut sahen, wenn sie den Raum betraten. Von dort gingen wir weiter über das Gelände zu einem Steinkarren und dem Hängepfahl, an dem Häftlinge gefoltert wurden.

Danach betraten wir die sogenannte „Desinfektion“ Dort wurden ab 1942 ankommende Häftlinge geschoren und desinfiziert. Durch unterirdische Gänge wurden sie in das Kammergebäude getrieben, in dem sie Einheitskleidung erhielten. Heute befindet sich in dem Gebäude der „Desinfektion“ die Kunstausstellung. Wir konnten Arbeiten sehen, die von Lagerhäftlingen geschaffen wurde (Portraits, Lagerszenen...).

Überwältigt von den Eindrücken, konnten wir uns noch eine Stunde in kleinen Gruppen auf dem Gelände bewegen. Einige gingen zum ehemaligen kleinen Lager, das 1942 als Quarantänezone diente, andere besuchten das Gräberfeld des sowjetischen Speziallagers oder das Museum.

Gegen 15 Uhr traten wir unsere Heimreise an, stoppten aber noch am Bismarckturm. Dieser wurde am 27.10.1901 eingeweiht und war ein Anziehungspunkt für Wanderer. Ab dem Frühjahr 1945 lagerte die SS dort mehr als tausend Urnen, da es keinen Brennstoff für das Krematorium mehr gab. Ab März 1945 benutzten sie Erdtrichter in der Nähe des Turms als Massengräber.
Um 15:30 Uhr setzten wir unsere Fahrt fort und waren froh um 19 Uhr wieder sicher in Florstadt angekommen zu sein. Wir fanden den Besuch sehr interessant. Es war ein lehrreicher Schulausflug. Es ist erschreckend, was die Deutschen damals getan haben und wir müssen sagen, dass uns die Studienfahrt sehr emotional berührt hat. Wir hoffen, dass durch das Zeigen der Grausamkeit der damaligen Nationalsozialisten, so etwas nie wieder geschehen wird!
Die Fahrtkosten der Studienfahrt wurden von der Stadt Florstadt, dem Wetteraukreis und der Hessischen Zentrale für politische Bildung getragen. Dafür möchten wir uns bedanken.

Gruppenfoto vor dem Bismarckturm

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